Innovation braucht Datenschutz. So gelingt die sichere Cloud Auswahl.

Die Cloud ist für viele Unternehmen zum Standard geworden – ob für Fachanwendungen, Kollaborationstools oder ganze Geschäftsprozesse. Doch mit jeder Auslagerung von Daten in die Cloud steigen auch die Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Nachweisbarkeit.
Nicht die Technik allein ist entscheidend, sondern wie bewusst sie ausgewählt, bewertet und gesteuert wird. Wer hier strukturiert vorgeht, gewinnt gleich mehrfach: weniger Haftungsrisiko, mehr Transparenz und eine solide Basis für digitale Innovation.
Was bedeutet „Cloud“ konkret?
Unter Cloud versteht man IT-Ressourcen, die nicht mehr im eigenen Serverraum betrieben, sondern bei einem Provider angemietet werden – meist über das Internet. Typische Modelle sind:
- On-Premise / Private Cloud im eigenen Rechenzentrum – maximale Kontrolle, aber hoher Eigenaufwand.
- Private Cloud beim Provider (Off-Premise) – Infrastruktur beim Dienstleister, exklusiv für ein Unternehmen.
- Public Cloud / SaaS – standardisierte Dienste aus dem Browser, Infrastruktur vollständig beim Anbieter.
Sobald dabei Personendaten verarbeitet werden, gelten automatisch die Anforderungen aus DSG / DSGVO – unabhängig davon, wie modern oder „marktüblich“ die Lösung ist.
Verantwortung bleibt bei der Geschäftsleitung
Auch wenn Betrieb und Administration an einen IT-Dienstleister ausgelagert sind: Die rechtliche Verantwortung bleibt beim Unternehmen bzw. der Geschäftsleitung.
- Der Cloud-Provider verantwortet seine Plattform, nicht die Gesamtrisiken Ihres Geschäftsmodells.
- Nach DSG / DSG-VO bleibt der Verantwortliche im Unternehmen in der Pflicht. • Wenn man von Sicherheit in der Cloud spricht, geht man grundsätzlich von einem sogenannten „Shared Responsibility“ Modell aus. Damit ist gemeint, dass der Cloud Provider die Infrastruktur der Cloud selbst schützt, der Kunde aber für die Sicherheit seiner Daten verantwortlich ist – also eine geteilte Verantwortung. Wie viel bzw. was dabei vom Cloud Provider übernommen wird, hängt vom gewählten Servicemodell (SaaS, PaaS, IaaS, etc) ab.
Besonders bei Anbietern mit US-Ansässigkeit, z.B. Microsoft, Amazon etc., kommen datenschutzrechtliche Zusatzrisiken hinzu (z.B. mögliche Zugriffe ausländischer
Behörden). Diese müssen bewusst bewertet werden – sie lassen sich nicht einfach „wegverhandeln“.
Typische Schwachstellen in der Praxis
In vielen Organisationen zeigen sich ähnliche Muster, etwa:
- unklare oder unzureichende Verschlüsselung,
- fehlende Risikobewertung der Daten (welche Daten sind kritisch, welche weniger?),
- keine oder verspätete Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) bei risikoreichen Verarbeitungen,
- unvollständige oder fehlende Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) mit Cloud Provider oder IT-Dienstleister,
- inkonsistentes Berechtigungsmanagement, bei dem Zugriffe „nebenbei“ vergeben werden.
Die Folge: Unsicherheit in Audits, Diskussionen mit Kunden und erhöhte persönliche Haftungsrisiken für Leitung und Verantwortungsträger.
Strukturiertes Vorgehen für sichere Cloud-Entscheidungen
Ein professioneller Cloud-Entscheid verbindet rechtliche, organisatorische, technische und wirtschaftliche Aspekte. Bewährt hat sich ein Vorgehen in fünf Schritten:
- Klarheit über Daten und Risiken – Risikoanalyse
Identifikation personenbezogener, sensitiver Daten (z.B. Gesundheits-, Kunden und Mitarbeiterdaten) und Analyse möglicher Auswirkungen bei Verlust, Manipulation oder Nichtverfügbarkeit.
- Risikobewertung
Bewertung von Gefährdungen wie unbefugtem Zugriff, Datenleck, Ausfall oder Ausspähung – in der eigenen Organisation, bei der Datenübertragung und beim Provider.
- Schutzziele und Anforderungen definieren
Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Datenminimierung und Nachweisbarkeit werden in konkrete technische, organisatorische und vertragliche Anforderungen übersetzt.
- Cloud-Anbieter prüfen und auswählen
Abgleich der Leistungen mit den definierten Anforderungen: Sicherheitsniveau, Verschlüsselung, Protokollierung, SLAs, Standorte, ggf. US-Bezug und ergänzende Massnahmen wie Verschlüsselung oder Pseudonymisierung.
- Verzahnung mit Compliance und Alltag
Durchführung einer DSFA (falls erforderlich), Abschluss belastbarer AV-Verträge, klare Cloud-Richtlinien und Prozesse, sowie praxisnahe Schulungen für Mitarbeitende.
Warum sich ein Cloud-Risiko-Check lohnt
Ein strukturierter Cloud-Risiko-Check verschafft der Geschäftsleitung:
- eine objektive Entscheidungsgrundlage für Auswahl oder Weiterführung einer Cloud-Lösung,
- Transparenz über Risiken, Verantwortlichkeiten und Pflichten, • und eine klare Roadmap, welche Massnahmen in welcher Reihenfolge umzusetzen sind.
So wird die Cloud nicht zur Schwachstelle, sondern zur stabilen Basis für Digitalisierung und Innovation – mit kontrollierbaren Risiken und klaren Nachweisen gegenüber Kunden, Partnern, Audits und Aufsichtsbehörden.